Lughnasadh:
das erste Brot
Anfang August stehen viele Felder in Thüringen goldgelb, auf anderen ist das Korn schon eingebracht. Man hört die Mähdrescher, und an warmen Abenden duftet es nach Stroh. Der Sommer ist noch da, doch das Licht verändert sich: Die Abende werden kürzer, und morgens liegt manchmal ein kühler Hauch über den Wiesen. Es ist Erntezeit.
Hier erfährst du, was Lughnasadh bedeutet, was es mit Lammas verbindet und wann das Fest 2027 gefeiert wird. Ich erzähle von Thüringer Erntebräuchen und verbinde diese Zeit mit Astrologie, Human Design und Tarot. Zum Schluss findest du ein einfaches Brotritual und eine Legung für deine eigene Ernte.
- Lughnasadh
- am Sonntag, 1. August
- Neumond mit Sonnenfinsternis
- am 2. August um 12:05 Uhr
- Nach dem Sonnenstand
- am 7. August um 19:27 Uhr
Was Lughnasadh bedeutet
Lughnasadh ist ein irisches Fest zum Beginn der Erntezeit. Im heutigen Jahreskreis mit seinen acht Festen gehört es zu den vier Zwischenfesten. Es liegt zwischen der Sommersonnenwende Litha und der Herbst-Tagundnachtgleiche Mabon und wird meist am 1. August gefeiert. Im Jahreskreisrad steht es Imbolc gegenüber: Anfang Februar haben wir nach den ersten Zeichen neuen Lebens Ausschau gehalten. Jetzt sehen wir, was in den vergangenen Monaten gewachsen ist.
Dabei ist die Ernte Anfang August längst nicht überall abgeschlossen. Je nach Getreideart, Wetter und Region beginnt sie früher oder dauert noch an. Für mich steht Lughnasadh deshalb für die erste Ernte und den Moment, in dem ich würdige, was schon reif geworden ist.
In der westlichen, tropischen Astrologie steht die Sonne Anfang August im Löwen. Die Sonne gilt als Herrscherin dieses Zeichens. Zu seiner Symbolik gehören Herzenswärme, schöpferischer Ausdruck und die Freude daran, sich zu zeigen. Ich verbinde diese Qualität mit der Erlaubnis, die eigene Ernte anzuerkennen, statt sie gleich mit der nächsten Aufgabe zu übergehen.
Der Name Lughnasadh kommt aus dem Irischen und bedeutet sinngemäß „Versammlung zu Ehren Lughs“, einer Gottheit der irischen Überlieferung. Einer Sage zufolge stiftete Lugh das Fest zum Andenken an seine Ziehmutter Tailtiu, mit Wettspielen und Versammlungen. Bis heute heißt der August auf Irisch Lúnasa. Der englische Name Lammas hat einen anderen Ursprung: Er geht auf das altenglische hlāfmæsse zurück, die „Brotmesse“. Im heutigen Jahreskreis werden beide Namen häufig für das erste Erntefest verwendet.
Für mich gehört dazu auch ein ehrlicher Blick auf das, was ausgeblieben ist. Nicht jeder Same geht auf. Manches braucht länger, anderes hat sich anders entwickelt als erhofft. Auch das darf in dieser ersten Ernte seinen Platz haben.
Der Übergang ins dunkle Halbjahr. Abschied, Erinnerung und der Blick auf das, was bleibt.
Mehr über SamhainDie längste Nacht des Jahres. Danach kehrt das Licht langsam zurück, und bald beginnen die Rauhnächte.
Mehr über JulDas Lichtfest mitten im Winter. Die Tage werden spürbar länger, und unter der Erde regt sich das erste Leben.
Mehr über ImbolcTag und Nacht sind gleich lang. Der Frühling beginnt und mit ihm der Schwung für Neues.
Mehr über OstaraDas Fest der Lebenskraft. Es liegt Samhain genau gegenüber und eröffnet die helle Hälfte des Jahres.
Mehr über BeltaneDer längste Tag des Jahres. Das Licht steht auf seinem Höhepunkt.
Mehr über LithaDas erste Erntefest. Um dieses Fest geht es auf dieser Seite.
Tag und Nacht sind wieder gleich lang. Das zweite Erntefest und der Beginn des Herbstes.
Mehr über MabonBrot, Kräuter und der 15. August
Zu Lammas wurde am 1. August Brot aus dem neuen Korn gesegnet. Wie kostbar die Ernte war, zeigt ein überlieferter englischer Segensbrauch: Stücke des geweihten Brots wurden in den vier Ecken der Scheune zerkrümelt. Sie sollten das eingelagerte Korn vor Mäusen und anderen Schäden bewahren.
Am 15. August wird Mariä Himmelfahrt gefeiert. Damit beginnt im Volksbrauch der sogenannte Frauendreißiger, eine Zeit bis Mitte September, in der gesammelten Kräutern besondere Kraft zugeschrieben wurde. In katholischen Gegenden werden bis heute Kräutersträuße gebunden und im Gottesdienst gesegnet. In Beberstedt im Eichsfeld feiert man diese „Krautweih“ schon seit rund 270 Jahren.
- 1. August
- Lammas. Brot aus dem neuen Korn wird gesegnet.
- 15. August
- Mariä Himmelfahrt. Der Frauendreißiger beginnt, Kräutersträuße werden gesegnet.
- Sonntag danach
- Krautweih in Beberstedt im Eichsfeld, mit Prozession.
Die letzten Halme: Erntebräuche im Wartburgland
Wenn ich mich mit Lughnasadh beschäftige, schaue ich auch auf die Erntebräuche meiner Heimat. In der 1878 erschienenen Sammlung „Sagen, Sitten und Gebräuche aus Thüringen“ von August Witzschel finden sich Beschreibungen aus der Gegend um Eisenach, dem Werratal und dem Feldatal.
Witzschel berichtet von letzten Halmen, die auf dem Acker stehen blieben, zu einer Gestalt zusammengebunden und mit Laub und Feldblumen geschmückt wurden. Man tanzte um sie herum; mancherorts ließ man sie als Gabe „für die gute Frau“ oder „für die arme Frau“ zurück.
Auch die Namen dieser Erntegestalten unterschieden sich von Ort zu Ort. Überliefert sind etwa „Wichtelmann“, „Waldmann“, „Feldmann“ und „der Alte“. In Tiefenort an der Werra verband man den letzten Schnitt mit dem „Alten“; zur letzten Garbe gehörte dort auch das Bild eines Erntehahns.
Besonders mag ich das Bild der stehen gebliebenen Halme. Für mich liegt darin der Gedanke, etwas zurückzulassen und anzuerkennen, dass wir von einer Erde leben, die wir nicht allein für uns beanspruchen. So führt mich mein Weg durch den Thüringer Jahreskreis diesmal auf die Felder des Wartburglands und an die Werra, nicht weit vom Hörselberg.
- Wichtelmann, Waldmann, Feldmann
- So hieß die Gestalt aus den letzten Halmen um Eisenach und Marksuhl.
- Der Alte
- Bei Salzungen und in Tiefenort an der Werra.
- Erntehahn
- In Tiefenort mit der letzten Garbe verbunden.
Quelle: August Witzschel, Sagen, Sitten und Gebräuche aus Thüringen (1878), „Saat- und Erntegebräuche“.
Wann ist Lughnasadh 2027?
Lughnasadh wird 2027 am Sonntag, dem 1. August, gefeiert. Manche beginnen bereits am Vorabend, dem 31. Juli.
Daneben gibt es eine heutige Feierweise, die sich nach dem Sonnenstand richtet: Sie setzt das Fest auf den Moment, in dem die Sonne 15 Grad Löwe erreicht. Das ist 2027 am Samstag, dem 7. August, gegen 19:27 Uhr MESZ. Gemeint ist die Mitte des Tierkreisbogens zwischen Sommersonnenwende und Herbst-Tagundnachtgleiche.
Auch die Mondphasen liegen 2027 nah am Fest: Neumond im Löwen ist am Montag, 2. August, gegen 12:05 Uhr, Vollmond im Wassermann am Dienstag, 17. August, gegen 9:29 Uhr. Alle Uhrzeiten beziehen sich auf die deutsche Sommerzeit, also MESZ.
Einen Tag nach Lughnasadh bringt der Neumond eine totale Sonnenfinsternis. In Thüringen ist sie zum Teil zu sehen: In Erfurt von etwa 10:12 bis 12:12 Uhr, am stärksten gegen 11:11 Uhr, wenn rund 40 Prozent der Sonnenfläche bedeckt sind. Bitte nur mit einer unbeschädigten Finsternisbrille nach ISO 12312‑2 hinschauen, eine Sonnenbrille schützt nicht. Für mich ein Bild für die Erntezeit: Fülle und Vergänglichkeit stehen nebeneinander.
Der Himmel zu Lughnasadh
So steht der Himmel am 7. August 2027 um 19:27 Uhr MESZ, von der Erde aus gesehen. Die Sonne steht auf 15 Grad Löwe, genau zwischen Sommersonnenwende und Herbst-Tagundnachtgleiche. Tippe einen Planeten an, dann siehst du sein Zeichen und sein Tor im Human Design.
Die Tore: Lughnasadh im Human Design
Am 1. August 2027 steht die Sonne im Human-Design-Mandala in Tor 33, dem Tor des Rückzugs. Auch der Neumond und die Sonnenfinsternis am 2. August liegen in diesem Abschnitt.
In der Deutung von Tor 33 geht es darum, Abstand vom Erlebten zu gewinnen und Erfahrungen zu verarbeiten. Manches verstehen wir erst, wenn wir nicht mehr mittendrin sind. Aus dem Rückblick kann etwas entstehen, das wir später mit anderen teilen möchten.
Darin finde ich eine Verbindung zur Ernte: Bevor ich weitergehe, schaue ich auf das, was hinter mir liegt.
Um den 5. August wechselt die Sonne in Tor 7, das Tor der Rolle des Selbst in der Interaktion. Beim Festtermin nach Sonnenstand am 7. August steht sie bereits dort. Dieses Tor wird mit Führung und der Frage verbunden, welche Richtung eine Gemeinschaft einschlägt.
Für mich ergänzt das den Rückblick von Tor 33: Aus dem, was ich gelernt habe, kann Orientierung entstehen – für meinen eigenen Weg und im Austausch mit anderen.
Tor 33: Der Rückzug
Welche Erfahrung verstehe ich heute anders als in dem Moment, in dem ich sie gemacht habe?
Welche Erfahrung möchte ich weitergeben, und wo ist sie willkommen?
Die Karten: Lughnasadh im Tarot
VIII · Die Kraft: Stärke durch Sanftheit
In der astrologischen Tarotzuordnung der Golden-Dawn-Tradition gehört die Kraft zum Zeichen Löwe. In der Bildfassung von Pamela Colman Smith (1909) begegnet eine weiß gekleidete Frau einem Löwen und hält sanft sein Maul. Über ihrem Kopf schwebt das Zeichen der Unendlichkeit; Blumen schmücken ihr Gewand.
Ich lese die Karte als Bild einer Stärke, die Ruhe und Selbstvertrauen braucht. Die Frau wirkt dem Löwen gegenüber weder hilflos noch feindselig. Sie bleibt in Verbindung mit seiner Kraft.
Zur Ernte passt für mich die Frage, was durch Geduld und Beständigkeit gewachsen ist. Vielleicht war deine Stärke in diesem Jahr leise: eine Grenze, die du gehalten hast, ein schwieriges Gespräch oder etwas, dem du Zeit gegeben hast.
Wo war ich stark, ohne hart zu werden?
Fünf der Stäbe: sich aneinander messen
Die Fünf der Stäbe wird in derselben Tradition dem ersten Drittel des Löwen zugeordnet, dem Bereich von 0 bis 10 Grad. Der 1. August liegt in diesem Abschnitt.
In derselben Bildfassung heben fünf junge Männer ihre Stäbe, die sich überkreuzen. Die Szene lässt sich als Übung oder Wettstreit lesen, aber auch als Durcheinander: Jeder bringt seine Kraft ein, eine gemeinsame Richtung ist noch nicht zu erkennen.
Mich erinnert das an die Wettspiele, die zur Überlieferung von Lughnasadh gehören. Zugleich fragt die Karte, wie wir mit Reibung umgehen. Ein Kräftemessen kann uns fordern und weiterbringen. Es kann aber auch Energie kosten, wenn wir nur noch darum kämpfen, uns durchzusetzen.
Welche Auseinandersetzung hat mich wachsen lassen – und welchen Wettbewerb darf ich beenden?
Lughnasadh und dein Human-Design-Typ
Die folgenden Fragen verbinden die Symbolik der Ernte mit den Human-Design-Typen. Nimm sie als Anregung für deinen Rückblick. Für konkrete Entscheidungen zählen im Human Design deine persönliche Strategie und Autorität.
Generator
Zufriedenheit gilt im Human Design als ein Hinweis darauf, dass du deine Energie stimmig eingesetzt hast. Bei welchen Tätigkeiten warst du anschließend müde und trotzdem erfüllt? Was möchtest du weiter pflegen, und wo hältst du nur noch aus Gewohnheit durch?
Manifestierender Generator
Vielleicht ist dein Weg in diesem Jahr anders verlaufen als geplant. Welche Umwege haben dir etwas gezeigt? Was hat sich durch Ausprobieren geklärt? Auch eine Kursänderung kann zu deiner Ernte gehören.
Projektor
Erfolg wird im Human Design mit Anerkennung und passenden Einladungen verbunden. Wo wurde dein Blick geschätzt? Welche Begegnungen haben dir das Gefühl gegeben, mit deinem Beitrag am richtigen Platz zu sein? Würdige auch, wo du deine Kräfte bewahrt hast.
Manifestor
Frieden gilt als Signatur deines Typs. Was hast du angestoßen, das dir heute mehr Freiraum gibt? Welcher Impuls hat etwas in Bewegung gebracht, auch wenn du nicht jeden weiteren Schritt selbst begleitet hast?
Reflektor
Überraschung gilt als Signatur deines Typs. Was hat sich in deinem Umfeld zum Guten verändert? Wo fühlst du dich wohl, und wo hat sich dein Eindruck gewandelt? Du kannst diese Fragen über einen Mondzyklus begleiten und beobachten, welche Antworten wiederkehren.
Mein Lughnasadh
Zu Lughnasadh gehört für mich ein Brot. Ich backe es selbst, ein gekauftes Brot ist aber genauso gut geeignet.
Wenn ich es in die Hand nehme, denke ich daran, wie viel darin zusammenkommt: Boden, Regen, Sonne und die Arbeit vieler Menschen. Aus etwas, das über Monate gewachsen ist, wird eine Mahlzeit.
Dabei begleiten mich die letzten Halme aus den Thüringer Erntebräuchen. Sie erinnern mich daran, auch ans Teilen zu denken: Was von dem, was ich habe, kann einem anderen Menschen guttun?
Ein kleines Ritual: das erste Brot
Nimm dir am 1. August oder an einem der Tage danach einen ruhigen Moment. Du brauchst ein Brot, einen Platz zum Sitzen und, wenn du möchtest, etwas zum Schreiben.
Leg das Brot vor dich. Halte einen Augenblick inne und denk an etwas, das in deinem Leben gewachsen ist. Das darf ein sichtbarer Erfolg sein, aber auch eine Freundschaft, eine neue Fähigkeit oder mehr Vertrauen in dich selbst.
Brich ein Stück ab und iss es langsam. Nimm den Duft, die Kruste und den Geschmack wahr. Vielleicht magst du dabei still Danke sagen.
Dann schreib drei Sätze auf.
Überlege zum Schluss, wie aus dem dritten Satz eine kleine Handlung werden kann. Vielleicht lädst du jemanden zum Essen ein, gibst ein Stück Brot weiter oder teilst etwas von deiner Zeit.
Wenn du auch im Garten etwas zurückgeben möchtest, kannst du beispielsweise einige Samenstände für Vögel stehen lassen. Brot ist als Vogelfutter nicht geeignet.
- Ich freue mich über …
- Ich habe gelernt …
- Ich möchte teilen …
Die Legung „Die Garbe“
Eine Garbe bündelt einzelne Halme. Diese Legung führt drei Fragen zusammen: Was hast du eingebracht, was ist daraus geworden und was möchtest du weitergeben?
Mische die Karten und lege drei Karten nebeneinander. Wenn du magst, ordne sie leicht fächerförmig an: unten dicht beieinander, oben etwas auseinander.
- 1
Links: die Saat
Worin habe ich in diesem Jahr Zeit, Kraft oder Vertrauen investiert?
- 2
Mitte: die Ernte
Was ist daraus gewachsen, auch wenn es anders aussieht als erwartet?
- 3
Rechts: die Gabe
Was davon möchte ich teilen oder weitergeben?
Schau anschließend auf alle drei Karten: Wofür empfinde ich Dankbarkeit, wenn ich diesen Weg als Ganzes betrachte?
Für einen kurzen Impuls genügt eine Karte zu der Frage: Was ist in meinem Leben gerade reif?
Du möchtest wissen, wie ich mit den Karten arbeite, oder hast noch kein eigenes Deck? Auf der Seite So arbeite ich mit Tarot erzähle ich davon, und du kannst dort drei Karten ziehen.
Weiter im Jahreskreis
Im Jahreskreisrad findest du die anderen Feste. Von Lughnasadh aus kannst du auf Litha zurückblicken oder weitergehen zu Mabon: Die Herbst-Tagundnachtgleiche fällt 2027 auf den 23. September und wird im heutigen Jahreskreis als zweites Erntefest gefeiert.
Im Mondkalender 2027 findest du die Neu- und Vollmonde des Jahres sowie weitere Informationen zur Sonnenfinsternis am 2. August. Vielleicht nimmst du den Neumond im Löwen zum Anlass, deine Notizen und Karten noch einmal anzuschauen: Was möchtest du weiter pflegen, und was soll mit dir in den Herbst gehen?
Manchmal wird beim Zurückschauen eine Frage deutlicher: Wohin möchte ich meine Kraft geben? Was passt noch zu mir? Und was darf sich verändern?
In meinen persönlichen Readings verbinde ich Astrologie und Human Design mit deiner Lebenssituation. Du erhältst einen persönlichen Blick auf deine Frage, deine Möglichkeiten und darauf, was dir bei den nächsten Schritten Orientierung geben kann.
Die Verbindungen zu Astrologie, Human Design und Tarot sind symbolische Deutungen. Die beschriebenen Tarotbilder beziehen sich auf die Originale von Pamela Colman Smith (1909).

