Litha:
der längste Tag des Jahres
Im Juni will es abends kaum dunkel werden. Um halb zehn liegt noch Licht über den Wiesen, die Linden blühen, und in den Gärten sitzen die Menschen bis spät am Abend draußen. Zur Sommersonnenwende erreicht die Sonne bei uns ihren höchsten mittäglichen Stand. Es ist der längste Tag des Jahres und zugleich ein Wendepunkt: Von nun an werden die Tage langsam wieder kürzer.
Hier erfährst du, was Litha bedeutet, woher der Name kommt und wann die Sommersonnenwende 2027 ist. Ich erzähle dir von den Geschichten rund um die Johannisnacht in Thüringen und verbinde diese Zeit mit Astrologie, Human Design und Tarot. Zum Schluss findest du ein einfaches Ritual für den frühen Morgen und eine Tarotlegung zur Jahresmitte.
- Sommersonnenwende
- am 21. Juni um 16:11 Uhr
- Johannisnacht
- vom 23. auf den 24. Juni
- Neumond im Krebs
- am 4. Juli um 5:02 Uhr
Was Litha bedeutet
Litha ist eines der vier Sonnenfeste im heutigen Jahreskreis und wird zur Sommersonnenwende gefeiert. Dann erreicht die Sonne auf ihrer jährlichen Bahn ihren nördlichsten Punkt. Im Jahreskreisrad steht Litha der Wintersonnenwende Jul gegenüber.
Wie groß dieser Unterschied ist, lässt sich hier in Thüringen gut erleben: In Erfurt geht die Sonne um diese Zeit gegen fünf Uhr morgens auf und erst nach halb zehn abends unter. Das sind mehr als sechzehneinhalb Stunden Tageslicht. Zur Wintersonnenwende sind es knapp acht.
In der westlichen, tropischen Astrologie tritt die Sonne zur Sommersonnenwende in das Zeichen Krebs. Dieses Wasserzeichen wird dem Mond zugeordnet und steht für Geborgenheit, Fürsorge und emotionale Verbundenheit. Darin liegt für mich ein schöner Gedanke: Gerade wenn es draußen am hellsten ist, richtet sich der Blick auch auf das, was uns innerlich Halt gibt.
Der Name Litha ist beim angelsächsischen Mönch Beda überliefert. Im 8. Jahrhundert beschreibt er, dass Juni und Juli bei den Angelsachsen Līða hießen. Er deutet den Namen im Zusammenhang mit mildem Wetter und einem ruhigen, gut befahrbaren Meer. Die häufig genannte Übersetzung „Licht“ ist dadurch nicht belegt. Als Bezeichnung für die Sommersonnenwende gehört Litha zum heutigen Jahreskreis.
Heute verbinden viele Menschen das Fest mit Licht, Fülle und Dankbarkeit. Für mich gehört auch das Wissen dazu, dass dieser lange Tag vorübergeht. Vielleicht ist das ein guter Grund, ihn bewusst zu genießen.
Der Übergang ins dunkle Halbjahr. Abschied, Erinnerung und der Blick auf das, was bleibt.
Mehr über SamhainDie längste Nacht des Jahres. Danach kehrt das Licht langsam zurück, und bald beginnen die Rauhnächte.
Mehr über JulDas Lichtfest mitten im Winter. Die Tage werden spürbar länger, und unter der Erde regt sich das erste Leben.
Mehr über ImbolcTag und Nacht sind gleich lang. Der Frühling beginnt und mit ihm der Schwung für Neues.
Mehr über OstaraDas Fest der Lebenskraft. Es liegt Samhain genau gegenüber und eröffnet die helle Hälfte des Jahres.
Mehr über BeltaneDer längste Tag des Jahres. Um dieses Fest geht es auf dieser Seite.
Das erste Erntefest. Zeit, auf das zu schauen, was gewachsen ist.
Mehr über LughnasadhTag und Nacht sind wieder gleich lang. Das zweite Erntefest und der Beginn des Herbstes.
Mehr über MabonJohanni und die Johannisnacht
Wenige Tage nach der Sonnenwende, am 24. Juni, ist Johannistag. Die Johannisnacht ist die Nacht vom 23. auf den 24. Juni.
Im christlichen Kalender erinnert der Tag an die Geburt Johannes des Täufers. Nach der biblischen Überlieferung wurde er etwa sechs Monate vor Jesus geboren. Die beiden Geburtsfeste liegen deshalb nahe den Sonnenwenden. Dazu passt der Satz aus dem Johannesevangelium: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Zum Brauchtum gehört das Johannisfeuer. Ihm schrieb man eine schützende Kraft zu. Auch der Sprung über das Feuer hatte seine Bedeutung: Sprang ein Paar Hand in Hand, galt das mancherorts als Zeichen für eine bevorstehende Hochzeit.
Mit dem Feuer ist auch der Beifuß verbunden, der früher unter anderem Sonnwendgürtel genannt wurde. Man trug ihn als Gürtel oder Kranz beim Tanz um das Johannisfeuer und warf ihn anschließend in die Flammen. Mit ihm sollte auch das verschwinden, was einen belastete.
Das Johanniskraut erinnert schon mit seinem Namen an diese Zeit. Seine gelben Blüten öffnen sich häufig um Johanni.
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Johannesevangelium 3,30. Johannes wird zur Sommersonnenwende gefeiert, wenn das Licht abzunehmen beginnt, Jesus zur Wintersonnenwende, wenn es wieder wächst.
Die Johannisnacht in Thüringer Sagen
Auch bei uns in Thüringen ranken sich Geschichten um diese besondere Nacht. Einige hat Ludwig Bechstein in seinem „Thüringer Sagenbuch“ von 1858 festgehalten.
Eine davon erzählt vom Farnsamen. Dem Volksglauben nach sollte er in der Johannisnacht um Mitternacht reifen, zu Boden fallen und sofort wieder verschwinden. Wer ihn dennoch auffing, konnte angeblich unsichtbar werden und auf Glück im Spiel hoffen. Bechstein berichtet, dass manche dafür sogar ihr Leben riskierten.
Eine andere Sage führt zum Ruppberg bei Zella-Mehlis, wo ein verborgener Schatz liegen soll. In dieser Erzählung begegnen uns auch die Kräuter der Johanniszeit: Johanniskraut, damals auch „Johannisblut“ genannt, und der „Johannisgürtel“ aus Beifuß galten als Schutz vor dem Bösen. Dahinter stand der Glaube, dass der Teufel über den Namen Johannes keine Macht habe.
Auf meinen Seiten zu Samhain, Jul, Ostara und Beltane begleitet mich der Hörselberg durch das Jahr. Zu Litha führt der Weg weiter in den Thüringer Wald. Mir gefällt, wie eng die alten Geschichten mit dieser Landschaft verbunden sind: mit ihren Bergen, den Waldwegen und den Kräutern, die uns dort bis heute begegnen.
- Johanniskraut
- Im Thüringer Wald auch „Johannisblut“ genannt. Blüht um Johanni.
- Beifuß
- Der Sonnwendgürtel, in der Sage „Johannisgürtel“. Beim Johannisfeuer getragen und den Flammen übergeben.
- Farn
- Sein Samen reift der Sage nach nur in der Johannisnacht und verschwindet sofort.
Quelle: Ludwig Bechstein, Thüringer Sagenbuch (1858), „Farrnsamen“ und „Die Ruppbergs-Jungfrauen“.
Wann ist Litha 2027?
Die Sommersonnenwende 2027 ist am Montag, 21. Juni, gegen 16:11 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt tritt die Sonne in das Zeichen Krebs.
Du kannst Litha am längsten Tag feiern oder die Tage rund um Johanni für dein Ritual nutzen. Die Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni bietet dafür einen eigenen, mit vielen Bräuchen verbundenen Anlass.
Zwei Tage vor der Sonnenwende, am 19. Juni um 2:44 Uhr, ist Vollmond im Schützen. Am 4. Juli gegen 5:02 Uhr folgt der Neumond im Krebs. Alle Uhrzeiten beziehen sich auf die deutsche Sommerzeit, also MESZ.
Zur Sonnenwende ist der Mond noch fast voll und steht im Steinbock. Mit Sonne und Mond sind damit die beiden Zeichen der Sonnenwenden angesprochen: Krebs und Steinbock. In meiner astrologischen Deutung verbinden sich hier zwei Fragen: Was gibt mir Geborgenheit? Und wofür möchte ich Verantwortung übernehmen?
Der Himmel zur Sommersonnenwende
So steht der Himmel am 21. Juni 2027 um 16:11 Uhr MESZ, von der Erde aus gesehen. Die Sonne erreicht 0 Grad Krebs, ihren höchsten Stand im Jahr. Es ist der längste Tag. Tippe einen Planeten an, dann siehst du sein Zeichen und sein Tor im Human Design.
Die Tore: Litha im Human Design
Zur Sommersonnenwende steht die Sonne im Human Design in Tor 15, dem Tor der Extreme. Es wird mit der Vielfalt menschlicher Lebensweisen und unterschiedlichen Rhythmen verbunden.
Für mich passt das gut zu dieser Jahreszeit. Es gibt Tage, an denen ich viel erleben und lange draußen sein möchte. An anderen brauche ich Ruhe, auch wenn der Sommer noch so einladend ist. Tor 15 erinnert mich daran, diesen Wechsel ernst zu nehmen und meinen Rhythmus nicht ständig mit dem anderer zu vergleichen.
Wenige Tage später wechselt die Sonne in Tor 52, das Tor des Stillhaltens. Dazu gehört das Bild des Berges: zur Ruhe kommen, sich sammeln und die Aufmerksamkeit auf etwas richten.
So ergänzt es für mich das Thema von Tor 15. Wer viel erlebt, braucht manchmal einen stillen Moment, um zu erkennen, was davon wirklich wichtig ist.
Tor 15: Die Extreme
Wann genieße ich die langen Tage, und wann wird mir das viele Tun zu viel?
Was wird mir klarer, wenn ich für einen Moment nichts vorantreibe?
Die Karten: Litha im Tarot
VII · Der Wagen: die eigene Richtung finden
In der astrologischen Tarotzuordnung der Golden-Dawn-Tradition gehört der Wagen zum Zeichen Krebs. In der klassischen Darstellung steht eine Gestalt in Rüstung unter einem Sternenbaldachin. Vor dem Wagen liegen eine schwarze und eine weiße Sphinx.
Ich lese die Karte als Bild für die Fähigkeit, unterschiedliche Kräfte zusammenzuführen und bewusst eine Richtung einzuschlagen. Vielleicht gibt es mehrere Wünsche, die dich gerade bewegen. Der Wagen lädt dich ein, zu entscheiden, welchem du in den kommenden Monaten folgen möchtest.
Was möchte ich in der zweiten Jahreshälfte weiterverfolgen?
Zwei der Kelche: einander begegnen
Die Zwei der Kelche wird in derselben Tradition dem ersten Drittel des Krebses zugeordnet, dem Bereich zwischen 0 und 10 Grad. Damit passt sie zu den Tagen von der Sonnenwende bis Anfang Juli.
Auf der Karte stehen sich zwei Menschen gegenüber und reichen einander ihre Kelche. Über ihnen schwebt ein Stab mit zwei Schlangen und einem geflügelten Löwenkopf.
Für mich erzählt diese Karte von einer Begegnung auf Augenhöhe: sich zeigen, zuhören und etwas miteinander teilen. Zum Sommer passt für mich daran die Freude an gemeinsamen Stunden, an einem langen Gespräch oder einem Abend, der ohne Eile vergehen darf.
Mit wem möchte ich in diesem Sommer bewusst Zeit verbringen?
Litha und dein Human-Design-Typ
Die folgenden Impulse verbinden die Themen von Litha mit den Human-Design-Typen. Schau, was davon gerade zu deinem Leben passt. Bei konkreten Entscheidungen gehört neben deinem Typ auch deine persönliche Autorität dazu.
Generator
Die langen Tage bieten viele Möglichkeiten. Achte darauf, worauf du mit einem spürbaren körperlichen Ja reagierst und was dir beim Tun Freude macht. Du musst einen Abend nicht bis zur letzten hellen Minute füllen. Was lässt dich zufrieden auf deinen Tag zurückblicken? Mit emotionaler Autorität gib wichtigen Entscheidungen Zeit, bis sich über wechselnde Gefühle hinweg Klarheit zeigt.
Manifestierender Generator
Vielleicht wecken die langen Tage gleich mehrere Ideen in dir. Beobachte, worauf du tatsächlich reagieren möchtest und was dich auch nach der ersten Begeisterung noch interessiert. Du kannst etwas ausprobieren und deinen Weg unterwegs anpassen. Orientiere dich an deiner sakralen Reaktion und, wenn du emotional definiert bist, an deiner emotionalen Klarheit.
Projektor
Begegnungen und Unternehmungen können bereichern und zugleich anstrengend sein. Nimm dein Ruhebedürfnis ernst, auch wenn es draußen noch hell ist. Bei welchen Menschen fühlst du dich gesehen und mit deinem Beitrag willkommen? Welche Einladung passt zu dir und deiner Autorität?
Manifestor
Vielleicht möchtest du etwas Neues anstoßen. Prüfe mit deiner Autorität, ob der Zeitpunkt für dich stimmt, und informiere die Menschen, die dein Vorhaben betrifft. Plane auch Raum zum Ausruhen ein. Ein langer Sommertag verpflichtet dich nicht dazu, ununterbrochen aktiv zu sein.
Reflektor
Beobachte, wie unterschiedliche Orte, Menschen und Tagesabläufe auf dich wirken. Wo fühlst du dich wohl, und wann wird dir der Sommertrubel zu viel? Notizen können dir helfen, Veränderungen über einen Mondzyklus hinweg wahrzunehmen. Für größere Entscheidungen sieht Human Design bei Reflektoren etwa einen Mondzyklus Zeit vor.
Mein Litha
An den Tagen rund um die Sonnenwende mag ich besonders den frühen Morgen. Wenn ich am Johannistag barfuß durch das taunasse Gras gehe, ist es draußen noch still. Ich spüre die kühle Erde unter meinen Füßen, bevor der Alltag beginnt.
Dem Tau am Johannismorgen wurden früher besondere Kräfte zugeschrieben. Für mich liegt das Schöne vor allem in diesem einfachen Moment: draußen sein, wach werden und den Sommer unmittelbar spüren.
Wenn du das ausprobieren möchtest, brauchst du dafür nur ein wenig Zeit und ein Stück Wiese.
Ein kleines Ritual: barfuß im Johannistau
Geh am Morgen des 24. Juni nach draußen, bevor die Sonne den Tau getrocknet hat. Such dir ein Stück Garten oder eine Wiese, auf der du sicher barfuß gehen kannst.
Geh langsam ein paar Schritte. Spür die Kühle, die feuchten Halme und den Boden unter deinen Füßen. Lass dir Zeit, ohne gleich etwas aus diesem Moment machen zu müssen.
Wenn du magst, nimm eine Frage mit: Was möchte ich in diesem Sommer bewusst genießen?
Danach kannst du dir einen Tee machen, eine Karte ziehen oder ein paar Gedanken aufschreiben.
Du kannst das Ritual auch am Morgen der Sonnenwende oder an einem anderen Sommertag machen. Für deinen eigenen Moment draußen brauchst du keinen festen Termin.
- Was ist in meinem Leben seit dem Winter gewachsen?
- Wofür bin ich in diesem Jahr bisher dankbar?
- Welche Menschen und Erlebnisse tun mir gerade gut?
- Wofür möchte ich mir in den kommenden Monaten mehr Zeit nehmen?
Die Legung „Der Höhepunkt“
Zur Sonnenwende erreicht das Tageslicht seinen Höhepunkt. Diese Legung nimmt den Wendepunkt im Jahreskreis zum Anlass, auf die vergangenen Monate zu schauen und dich für die zweite Jahreshälfte auszurichten.
Lege den Wagen offen in die Mitte. Mische die übrigen Karten und lege vier Karten um ihn herum.

- VII
In der Mitte: Der Wagen
Offen gelegt, nicht gezogen.
- 1
Oben: der Höhepunkt
Was ist in den vergangenen Monaten gewachsen?
- 2
Links: das Fest
Was möchte ich würdigen und feiern?
- 3
Rechts: der Weg
Was möchte ich in der zweiten Jahreshälfte weiterverfolgen?
- 4
Unten: die Wende
Was möchte ich hinter mir lassen?
Ziehe eine einzelne Karte zu der Frage: Was möchte ich an meinem Leben gerade würdigen?
Du möchtest wissen, wie ich mit den Karten arbeite, oder hast noch kein eigenes Deck? Auf der Seite So arbeite ich mit Tarot erzähle ich davon, und du kannst dort drei Karten ziehen.
Weiter im Jahreskreis
Im Jahreskreisrad findest du die anderen Feste. Von Litha aus kannst du auf Beltane zurückblicken oder weitergehen zu Lughnasadh am 1. August, dem ersten Erntefest.
Der Mondkalender 2027 zeigt dir alle Neu- und Vollmonde des Jahres. Den Neumond im Krebs am 4. Juli kannst du zum Anlass nehmen, deine Karten und Notizen noch einmal anzuschauen: Was ist dir seit der Sonnenwende klarer geworden?
Vielleicht hat eine der Fragen ein Thema berührt, das dich schon länger beschäftigt. In meinen persönlichen Readings verbinde ich Astrologie und Human Design mit deiner Lebenssituation. So kannst du besser einordnen, was dich gerade bewegt, und Anregungen für deine nächsten Schritte mitnehmen.

